FAQ´s zur Juvenile Epilepsy beim Lagotto
Romagnolo
erstellt von Ute Ruoff, Lagotto Romagnolo
„Comes cordis", Mai 2009
- Wie zeigt sich die Juvenile Epilepsy?
Erkrankte Welpen leiden eventuell zwischen der 4. und 12.
Lebenswoche an Krampfanfällen von verschiedener Ausprägung,
welche jeweils ein paar Sekunden bis zwei/drei Minuten
anhalten können. Es wird berichtet, dass es sich um ein
leichtes Kopfschütteln, einen schwankenden, unkontrollierten
Gang, Umfallen während des Laufens und auch richtige
Krampfanfälle mit kompletter Verkrampfung der Muskulatur
vorkommen kann.
Die Anfälle kommen in unregelmäßigen Abständen, häufig
ist ein gewisser Stress Auslöser (wie z.B. auch die freudige
Erregung vor dem Fressen, Erschrecken, Lärm) aber auch aus
der Ruhe heraus.
Es ist allerdings genauso gut möglich, dass die J.E. bei
einem befallenen Welpen überhaupt nicht wahrnehmbar ist, da
die Symptome (Merkmale) der Krankheit nicht oder nur sehr
schwach ausgeprägt sind. (Es gibt Menschen die an J.E.
erkrankt sind und sich mit der Zunge öfter als der
Durchschnitt über die Lippen lecken.)
Daher ist ein erkrankter Welpe nicht unbedingt von einem
nicht erkrankten zu unterscheiden.
- Hat ein J.E.-Träger-Hund in irgendeiner Weise
gesundheitliche Nachteile?
Nein, ein J.E.-Träger hat und wird niemals Symptome der
Krankheit zeigen.
- Wird ein J.E. Träger zur Zucht zugelassen? Ja.
- Warum möchte ein Züchter trotzdem lieber einen
J.E.-freien Hund?
Der Züchter wäre später bei der Wahl des Zuchtpartners
eingeschränkt, wenn sein Zuchttier ein J.E.-Träger ist, denn
er kann dann nur einen J.E.-freien Zuchtpartnern wählen. Ist
sein Tier jedoch J.E.-frei kann er unter der größeren
Palette der Zuchtpartner wählen, da er sowohl einen Träger
wie auch einen freien Hund anpaaren kann.
- Wie wird der Test gemacht?
Dem Hund wird entweder eine Blutprobe oder eine
Speichelprobe entnommen.
Vorher muß seine Identität eindeutig nachgewiesen und von
einem Tierarzt mit Unterschrift bestätigt werden. Die
Mikro-Chip-Nr.oder Täto-Nr. muss samt der Zuchtbuch-Nr. und
dem Namen des Hundes in das Test-Formular eingetragen und
ebenso auf dem Blut- bzw. Speichelteströhrchen vermerkt
werden. Alles zusammen wird dann mit Express-Post an das
finnische Testlabor geschickt.
- Wie viel kostet der Test?
Man bekommt eine Rechnung und nach Zahlung der Gebühr von
z. Zt. 80,-€ pro Hund bekommt man das Ergebnis zugeschickt.
Kosten insgesamt Tierarztkosten (Blut abnehmen,
EDTA-Teströhrchen), Express-Post und Labor-Gebühren belaufen
sich auf ca. 100,- €.
- Wie lang muß man auf das Ergebnis warten?
Es ist mit einer Wartezeit von ca. 4 Wochen zu rechnen.
Obwohl das Institut schreibt … after a few days ….
- Schreibt der VDH einen J.E.-Test als
Zuchtvorraussetzung vor?
Nein, bisher nicht.
Züchter die Mitglied im 1.Lagotto Romagnolo Club
Deutschland (1.LRCD) sind haben sich allerdings freiwillig
dazu verpflichtet ihre Zuchttiere testen zu lassen,
erkrankte Hunde komplett aus der Zucht zu nehmen, nur noch
frei mit frei, oder frei und Träger anzupaaren und somit die
Zucht von J.E. erkrankten Welpen zu vermeiden
- Wird der Test später offiziell anerkannt?
Es ist die Rede davon, dass der J.E.-Test später zu den
Zuchtvoraussetzungen beim Lagotto Romagnolo gehören soll und
auch vom VDH gefordert wird. Lagotto-Club intern ist es
bereits eine beschlossene Sache und die Mitglieder halten
sich daran.
Offiziell wird später wohl nur der per Bluttest
vorgenommene Test anerkannt, da der Speicheltest etwas
unsicherer ist. Die Speicheltest-Träger können bei
unvorsichtigem Handeln schneller mit fremder DNA
kontaminiert werden und es ist schon zu verkehrten
Ergebnissen gekommen. Die Lagotto-Clubmitglieder lassen
deshalb jetzt schon nur noch den Bluttest vornehmen.
- Warum wird nicht nur noch mit J.E.-freien Hunden
gezüchtet?
Da die Anlage zu J.E. in der Rasse weite Verbreitung
gefunden hat sind sehr viele Tiere zumindest Träger der
Anlage zu J.E. Der Genpool beim Lagotto Romagnolo ist sehr
eng.
Da davon auszugehen ist, dass beinahe die Hälfte aller
momentan in der Zucht stehenden Rüden und Hündinnen Träger
sind, würden nur noch sehr wenige Zuchttiere übrig bleiben,
die ja auch noch allen anderen zuchtrelevanten Kriterien wie
z.B. gutes Wesen, richtige Größe, gute HD-Bewertung, keine
erbl. Augenerkrankung, ohne Patella-Luxation etc., etc.
entsprechen müssen. Somit würde der Genpool in kürzester
Zeit noch weiter zusammen schmelzen und damit die Festigung
von Erbkrankheiten durch Inzucht eine weit größere Gefahr
für die Rasse bedeuten als die J.E. selbst.
- Wie sieht die Prognose für die Zukunft in Hinsicht J.E.
aus?
Das Problem ist eigentlich durch den zur Verfügung
stehenden Test gelöst.
es werden keine J.E.-kranken Hunde mehr gezüchtet,
wenn man sich an die Regeln hält
es werden in den künftigen Jahren aus den Nachkommen
der heutigen Verbindungen, die sowohl Träger als auch
freie Tiere hervorbringen, sicher immer mehr freie Tiere
zur Zucht herangezogen und somit wird sich innerhalb der
nächsten Jahre die Krankheit nahezu ausmerzen lassen.
- Warum geht das Gen-Test-Verfahren bei anderen oft
schwerwiegenden Erbkrankheiten nicht?
Bei der J.E. handelt es sich um einen monogenen Erbgang –
d.h. für die Entstehung der Krankheit ist nur ein einziges
(mutiertes) Gen verantwortlich. Wenn festgestellt wurde,
dass bei einer Erbkrankheit nur ein Gen verantwortlich ist,
ist es trotzdem noch ein unglaublicher Aufwand (vergleichbar
mit der Suche nach der sprichwörtlichen „Nadel im
Heuhaufen") um es zu finden.
Bei anderen Erbkrankheiten handelt es sich häufig um
polygene Erbgänge – d.h. es sind viele Gene für das
Auftreten der spezifischen Merkmale verantwortlich. Außerdem
ist es für die Stärke der Ausprägung der Merkmale relevant
wie viele der kranken Gene sich in einem Tier treffen.
Vereinfacht: je mehr krankhaft veränderte Gene einer
Krankheit ( wie z.B. der HD / Hüftdysplasie) sich treffen,
desto stärker deren wahrscheinliche Ausprägung.
Erbkrankheiten die durch einen polygenen Erbgang erworben
wurden, zeichnen sich außerdem dadurch aus, dass sie oftmals
durch äußere Einflüsse sich entweder mehr oder weniger
ausprägen. Z.B. kann ein erbl. herzkranker Hund sehr viel
länger gut leben, wenn man ihn schont. Oder eine HD wird
sehr viel schneller für den Hund zur Qual, wenn er zuviel
belastet wird. So kann man noch nicht einmal feststellen, ob
die Ausprägung der Krankheit durch die Häufung der kranken
Gene oder durch schlechte Umwelteinflüsse forciert worden
ist.
Bis heute ist es unmöglich diese Gene verschiedenster Art
komplett zu selektieren.
Vor allem verschlingt eine solche Forschung Unsummen von
Geld, die leider nur in sehr begrenztem Maße für die
kynologische Forschung zur Verfügung stehen.
alle Rechte, Copyright by Ute Ruoff
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