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Entstehungsgeschichte

Der Lagotto Romagnolo war
ursprünglich eine Wasserapportierrasse. Schon im 15. Jahrhundert
taucht auf Gemälden von Andrea Mantegna ein Hund auf, der dem
Lagotto sehr ähnlich war.
Die Entstehungsgeschichte des Lagotto Romagnolo
DER ÄLTESTE WASSERHUND
Das der Lagotto wahrscheinlich der älteste unter den bekannten
Wasserhunden ist, lässt sich aufgrund historischer Quellen und
geografischer Überlegungen annehmen. Wir haben unwiderlegbare
Beweise für die Präsenz des Lagottos in den Lagunen von
Comacchio und den Sumpfgebieten in der Niederebene der Romagna
bereits ab 1600: In der Tat haben sie zu jener Zeit die "Vallaroli",
pittoreske Persönlichkeiten, in ihren Aktivitäten begleitet, die
vor den großen Trockenlegungen Ende des 19. Jahrhunderts die
wirklichen Seelen jener wildreichen Lagunen waren.
DER TRÜFFELHUND
Eine weitere Tätigkeit der Vallaroli war die Trüffelsuche.
Unzertrennlicher Begleiter von ihnen war der kleine Lagotto,
Hüter des Bootes und des Hauses, sehr guter Apportierer und
Auffinder vor allem von Blässhühnern, als Hunderte von Booten in
den bekannten "rastrelli" Schwärme von Tausenden dieser Vögel
umkreisten und wahre Massaker anrichteten. Der Lagotto schwamm
oft auch während der kältesten Tage stundenlang, manchmal auch
unter Wasser, auch durchbrach er oft die Eisschicht, um dann die
erlegten Vögel auf das "Paddelboot" zu bringen. Ein Verhalten,
das wir als "amphibisch" definieren können, ermöglicht durch die
Kompaktheit des sehr lockigen Hundefells mit reichlich
Unterwolle.
Der Name "Lagotto" rührt daher vermutlich vom Einsatz als
Wasserhund her. Die herausragende Anlage zur Suche, die große
Bereitschaft zur Arbeit und der ausgezeichnete Geruchssinn
machten dann aus dem Lagotto einen effizienten Trüffelhund.
Aufgrund der Trockenlegungen, die im Laufe der Jahrzehnte die
immensen Sümpfe von Comacchio und der Romagna immer weiter
schrumpfen und die Vallaroli fast ganz verschwinden ließen,
verlor auch der Lagotto mehr und mehr seine Funktion als
Wasserhund und spezialisierte sich immer stärker als
Trüffelsucher. Die Übergangszeit ist zwischen 1840 und 1890
datierbar.
DAS NUTZTIER
In der Zeit zwischen den zwei Weltkriegen waren fast alle
Hundehelfer der Trüffelsucher der Romagna und der umliegenden
Gebiete Lagotti.
Durch umweltbedingte Veränderungen des Ökosystems war der
Trüffel nicht mehr in den Ebenen, sondern nur noch in den Hügeln
zu finden.
Bereits ab 1920 war der Lagotto in den Tälern des Apennins der
Romagna, dem Tal des Senio, des Lamone und besonders im Tal des
Santerno, in Casalfiumanese, bekannt, wo der Herrenfriseur
"Pippo" und der Leierkastenmann "Bagaretta" begannen, den
gelockten, als Trüffelsucher nunmehr sehr erfahren gewordenen
Sumpfhund zu züchten, zu verbreiten und bekannt zu machen.
DAS GESCHÄFT MIT DEN TRÜFFELN
Natürlich interessierten sich zu jener Zeit auch bereits andere
Persönlichkeiten für den Lagotto. Es muss jedoch gesagt werden,
dass die Trüffelsucher bei der Zucht immer vollkommen empirisch
(außerhalb jeder genetischen Regel) vorgegangen sind, da es nur
auf das sofortige praktische Ergebnis (den besten Trüffelhund,
Lagotto oder nicht Lagotto) ankam. Das Hauptziel jedes
Trüffelsuchers war immer, eine Art idealen Hund zu erhalten,
welcher sich nach vollständiger Auslöschung des Jagdinstinktes
speziell der Trüffelsuche widmete. Die Konkurrenz in diesem
Geschäft ist erbarmungslos, und der Neid, das Misstrauen, die
Schlauheit, die Unehrlichkeit, der Egoismus und manchmal die
Grausamkeit gehören zum Alltag. Kein Wunder, geht es doch um
viel Geld. Für ein Kilogramm Trüffel werden je nach Sorte
horrende Preise bezahlt.
VOM ARBEITSHUND ZUR RASSE
Der Lagotto lebte in einer Welt, in der das "Sich-mit-Hunden-
Beschäftigen" sehr wenig mit "Hundeliebhaberei" und noch weniger
mit "Kynologie" zu tun hatte und sich die Zucht nur auf Leistung
ausrichtete. Eingekreuzt wurden im Laufe der Zeit Pointer,
Pudel, Setter, Spinone, Breton, Bracke und vermutlich noch
weitere Rassen.
Gegen Ende der siebziger Jahre beschloss eine Gruppe von
tüchtigen Hundeliebhabern der Romagna, die genetische und
morphologische Rekonstruktion des Lagottos zu beginnen, und er
wurde gerade noch rechtzeitig aus dem Tunnel ohne Rückkehr der
Ausrottung geholt.
Die Wiedervereinigung der zwei parallelen Geschichten des
Lagottos (die seiner Lagunenursprünge und die der Apenninhügel)
schuf die Voraussetzung, um die Rasse wieder zur Reinheit
zurückzuführen.
Im Laufe von 20 Jahren wurden Forschungsversammlungen und
-treffen organisiert, bei denen die Hunde untersucht, gemessen,
tätowiert, fotografiert und in ein entsprechendes Register
aufgenommen wurden. Es wurden die Blutlinien rekonstruiert, und
es wurde versucht, den unbedachten Züchtern die grundlegenden
Aufgaben für eine rationalere und wissenschaftlichere
morphogenetische Auswahl zu geben.
In diesen Jahren hat die Rasse eine entschiedene Entwicklung in
Richtung einer genau definierten Typologie gezeigt, die wir
heute als wirklich homogen definieren können. Mit der Gründung
des Club ltaliano Lagotto, die 1988 in Imola erfolgte, und der
heute über 400 Mitglieder zählt, wurden die Voraussetzungen für
eine offizielle Anerkennung der Rasse seitens des ENCI (Ente
Nazionale della Cinofilia Italiana) geschaffen, welche im
Februar 93 erfolgte.
Die Anerkennung durch die FCI erfolgte im März 95.
ARBEITSMÖGLICHKEITEN UND ZUCHT
Im Hundesport ist er für jede Disziplin ohne Schutzdienst
bestens geeignet, z. B. Agility, Begleithund, Obedience,
Suchhund, Fährtenhund, Sanitätshund, Katastrophenhund, usw.
Die sprichwörtliche Vielseitigkeit des Lagotto Romagnolo
zusammen mit der lebhaften Intelligenz und Genügsamkeit hat aus
ihm einen sehr widerstandsfähigen Hund gemacht.
Das schwedische Militär hat Lagotto Welpen für die Ausbildung zu
Drogensuchhunden importiert.
Wichtig ist, dass der Lagotto vollen Familienanschluss hat, nur
dann entfaltet er sich richtig - er arbeitet nur, um seinem
Menschen zu gefallen, um ihm Freude zu bereiten - wobei ihm
seine Vergangenheit als Boots- und Wasserapportierhund und seine
Gegenwart als Trüffelhund sehr helfen, liegen ihm doch
Apportieren, Revieren und ein beständiges, unermüdliches Suchen
im Blut. Zuhause zeigt er alles Ungewöhnliche zuverlässig durch
Bellen an.
Der Lagotto Romagnolo ist ein friedlicher, fröhlicher, nicht-
aggressiver Hund. Wer also keine Läufigkeiten erleben will, kann
ebenso gut einen Rüden halten, umso mehr, als größere Hündinnen
und kleinere Rüden gleich groß und schwer sind!
KURZBESCHREIBUNG
Beschreibung: Bei seiner Betrachtung gewinnt man den Eindruck
von antiken, archaischen Dingen, die auf wunderliche Weise bis
zu uns gelangt sind und der Zeit, der Geschichte und den
menschlichen Ereignissen getrotzt haben.
Aussehen: Mittelgroß, athletisch gebaut, robust. Fell dicht
gelockt, feine Unterwolle.
Körper quadratisch, gleich hoch wie lang, harmonisch.
Abstammung: Sein Urvorfahr war der frühere Barbet.
Farbe: Einfarbig schmutzweiß, braun in allen Tonalitäten,
weiß-braun, braun-weiß, orange, weiß-orange, Braunschimmel.
Gewicht:
Rüden 43 bis 48 cm, 13-16 kg
Hündinnen 41 bis 46 cm, 11-14 kg
(Größe: Toleranz + - 1 cm)
Lebenserwartung: Bis zu 14 bis 16 Jahre
Abschließen möchte ich mit den Worten von Dr. Giovanni Morsiani,
der mit seinem 95 verstorbenen Vater, Dr. Antonio Morsiani, und
Anderen für den Wiederaufbau der Rasse verantwortlich war:
"Selbstverständlich ist es nur legitim, dass auch nicht
Trüffelsucher an dieser Rasse gefallen finden, und es ist
richtig, dass man sie kaufen kann, weil er als Hund an sich
gefällt. Im übrigen machen ihn sein einnehmendes und
sympathisches Aussehen, seine lebhafte Intelligenz, seine starke
Persönlichkeit, sein ausgeglichener Charakter und die
Anspruchslosigkeit der Gewohnheiten zu einem angenehmen und oft
unersetzlichen Begleiter, nicht nur für die, die den Hund als
Arbeitsmittel ansehen, auch für die, welche im Hund ein
Lebewesen, einen Freund, einen Lebensgefährten sehen, mit dem
man alles, im Guten und im Schlechten, bis zum Lebensende
teilt."
[Dieser Artikel erschien auch im "Hunde-Magazin" im Januar 2000] |